Kommunikation

Wie kann die Kommunikation mit und die Mitwirkung der Mieterschaft aussehen?

Die Sanierung der Siedlung Winzerhalde in Zürich-Höngg war in mancher Hinsicht aussergewöhnlich – genau wie die Siedlung selber. Erfahren Sie, wie es die Projektleitung geschafft hat, den anspruchsvollen Voraussetzungen kommunikativ gerecht zu werden. Und was sie heute in der Kommunikation anders machen würde.

«Die Siedlung Winzerhalde steht direkt an der Limmat. Der Bau aus den 80er-Jahren ist im Inventar der schützenswerten Bauten und besitzt neun verschiedene Wohnungstypen», sagt Christian Zopfi von Siedlungsgenossenschaft Eigengrund (SGE) und Projektleiter der Sanierung Winzerhalde. Die privilegierte Lage und der spezielle Bau machen es aus, dass die Wohnungen für genossenschaftliche Verhältnisse eher teuer sind. Geplant waren energetische Massnahmen wie das Abdichten der Tiefgarage und das Ersetzen der Fensterscheiben durch Isolierglas: «Die Fassaden durften wir aufgrund des Denkmalschutzes nicht sanieren», erklärt Zopfi. In den Wohnungen wurden zudem neue Küchen und Badoberflächen eingebaut und ausserhalb der Wohnungen ein Gemeinschaftsraum und zusätzliche Veloabstellplätze geplant. Die ganze Sanierung im Innen- und Aussenbereich dauerte rund ein Jahr.

 

Mieterschaft bekommt Mitspracherecht

«Normalerweise arbeiten wir mit einer Mietervertretung aus der jeweiligen Siedlung zusammen», erklärt Zopfi. Das bedeutet, dass eine in der Siedlung wohnhafte Person an den Projektteamsitzungen teilnimmt. Die Aufgabe der Mietervertretung ist es, die Bedürfnisse der Mieterschaft einzubringen und Entscheidungen aktiv mitzugestalten. «Weil wir das Informationsbedürfnis der Mieterschaft in der Winzerhalde hoch einschätzten, wollten wir erstmals ein sogenanntes Beteiligungsverfahren ausprobieren, bei dem wir alle Mieterinnen und Mieter einbezogen», erklärt Zopfi. Dafür verzichtete die Projektleitung auf eine Mietervertretung. Für die geplanten Veranstaltungen zog die SGE eine Kommunikationsagentur bei.

 

Workshops in der Planungsphase

Der erste Workshop fand in der Planungsphase statt – noch bevor die Sanierungspläne definitiv waren. An diesem Anlass wurden Bedürfnisse und Wünsche der Mieter/innen abgeholt. Dabei bestätigte sich die Einschätzung der SGE bezüglich des Informationsbedürfnisses: «Für die Bewohnerinnen und Bewohner stand die transparente Kommunikation ganz oben auf der Wunschliste. Zusammen mit dem Wunsch nach guter Planung und einer moderaten Mietzinserhöhung», sagt Zopfi. Zudem stellte sich heraus, dass sich die eine Hälfte der Mieterschaft eine offene Küche wünschte und die andere Hälfte eine geschlossene. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse veranlassten die SGE dazu, zwei verschiedene Küchen (je eine offene und eine geschlossene) pro Wohnungstyp zu planen. Danach folgte ein weiterer Workshop, an dem die Mieter/innen ihre neue Küche auswählen konnten und die Arbeiten im Ausserbereich und im Gemeinschaftsraum thematisiert wurden.

 

Detaillierter Zeitplan: 6 Monate vor Baubeginn

Sechs Monate vor dem Sanierungsstart war die Planung abgeschlossen und die Mieter/innen erhielten einen detaillierten Zeitplan. Ab diesem Zeitpunkt wussten alle auf den Tag und die Uhrzeit genau, wann die Handwerker/innen in ihrer Wohnung sein würden und konnten sich für diese Zeit entsprechend organisieren.

 

Online-Umfrage zum Abschluss der Sanierung

Während der Bauphase war es ruhig in Sachen Kommunikation. Erst danach wurde eine Online-Umfrage gestartet. Die Rückmeldungen der Mieterinnen und Mieter waren sehr positiv. Einzelne kritische Rückmeldungen kamen lediglich von Personen, die sich in der neuen Küche noch nicht zurechtfanden.

 

Die wichtigsten Erkenntnisse

«Wir werden in Zukunft mehr Zeit ins Change Management investieren», sagt Zopfi. Damit meint er, dass er die Mieter/innen frühzeitig darauf aufmerksam machen will, dass zum Beispiel der Backofen neu oben rechts sein wird und nicht wie bis anhin unten links. «Wenn wir den Leuten erklären, was nach dem Umbau anders sein wird und vor allem warum, hilft ihnen das, sich schneller an neue Gegebenheiten zu gewöhnen.»

 

Ausserdem wird die SGE in Zukunft immer eine Mietervertretung beiziehen. «Wir dachten, dass sich das erübrigen würde, wenn wir Gruppenanlässe für alle machen», resümiert M. Zopfi. «Aber irgendwie fehlte das kommunikative Bindeglied zwischen Projektteam und Mieterschaft dann doch.» Die Bilanz des Projekts ist positiv:

Spätestens nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hatten auch die einzelnen skeptischen Mieter/innen grosse Freude an den neuen Küchen und Bädern und die im Jahr 2016 sanierte Liegenschaft erfreut sich einer sehr tiefen Fluktuationsrate.

 

Die Siedlungsgenossenschaft Eigengrund (SGE) ist eine mittelgrosse, wachstumsorientierte Wohnbaugenossenschaft mit ca. 1000 Wohnungen, verteilt auf 18 Siedlungen in der Stadt und Agglomeration Zürich. Bei der Umsetzung ihres Erneuerungsplanes engagiert sie sich für alle Aspekte der Nachhaltigkeit.

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