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Smart gesteuert: Wie Apps Gebäude energieeffizient und komfortabel machen

Gebäude intelligent steuern – per App, Sensorik und Automatisierung? Was früher als Luxus in exklusiven Wohnobjekten galt, ist heute ein gefragter Standard für energieeffiziente und kostensparende Gebäudeoptimierung. Die digitale Gebäudesteuerung eröffnet nicht nur enorme Einsparpotenziale, sondern erhöht auch Komfort und Transparenz. Doch wie funktioniert das eigentlich in der Praxis? Manuel Schär von der Schär & Partner Engineering GmbH gibt Auskunft.

 

Was heute unter «Smart Home» verstanden wird, hat seinen Ursprung in der professionellen Gebäudeautomation – etwa in Fabriken oder öffentlichen Gebäuden, wo Energieverbrauch und Betriebskosten schon lange optimiert werden. Mit zunehmendem Bewusstsein für Energieeffizienz hat sich dieser Ansatz zunehmend in den Privatbereich verlagert: Die Steuerung von Heizung, Licht oder Lüftung erfolgt mittlerweile oft bequem per App. Manuel Schär von Schär & Partner Engineering GmbH ist Systemintegrator für Loxone und KNX und Experte für Softwarelösungen. Er erklärt im Interview, wie digitale Lösungen zum Standard werden. «Dabei geht es um mehr als nur Spielerei» erklärt er. «Eine intelligente Gebäudesteuerung erkennt zum Beispiel automatisch, ob jemand zuhause ist, passt die Beleuchtung der Tageszeit an oder reduziert die Heizung bei Abwesenheit.» Das Ziel: den Aufwand für die Nutzenden zu senken und gleichzeitig Ressourcen zu schonen.

 

Welche Technologien stecken dahinter?

Für einfache Anwendungen gibt es einzelne Produkte wie WLAN-fähige Thermostate oder Lichtsysteme (z. B. Philips Hue), die über eigene Apps gesteuert werden. Um das volle Potenzial zu nutzen, ist eine Vernetzung und Zentralisierung der Gewerke – etwa Heizung, Lüftung, Beschattung, Zutritt und Audio – unumgänglich.

Dabei gibt es diverse Systeme, die aus Hard- und Software bestehen und unterschiedlich kompatibel sind. Allen Systemen gemein ist, dass sie mit der übrigen Gebäudeautomation interagieren. Systemintegratorinnen und Integratoren, wie Schär einer ist, übernehmen dabei die Planung und Anbindung aller Komponenten – damit auch wirklich alles richtig miteinander kommuniziert. Einmal installiert, benötigt das System einige Tage, um sich einzupendeln. Es erkennt Heiz- und Abkühlphasen, passt sich an das Nutzerverhalten an und verbessert sich kontinuierlich. Dank Fernwartung und -zugriff ist der Eingriff vor Ort selten nötig.

 

Energie sparen durch smarte Steuerung

In der Praxis zeigt sich: Smarte Gebäudetechnik ist einer der effektivsten Hebel zur Energieeinsparung. Schär betont, dass «Gerade in Altbauten sich oft ohne grössere bauliche Eingriffe Systeme nachrüsten lassen– oft auch per Funk. Laut Erfahrungswerten sind so Heizkosteneinsparungen von bis zu 40 % möglich.» Zeigen sich keine Einsparungen trotz modernster Gebäudesteuerung ist oft die fehlende Abstimmung zwischen Photovoltaikanlage, Wärmepumpe und Heizsystem das Problem. «Hier kommt das Energiemanagement ins Spiel: Mit intelligenter Steuerung kann Strom dann genutzt werden, wenn er verfügbar ist – etwa durch gezieltes Vorheizen an sonnenreichen Tagen vor einem Kälteeinbruch durch die Nutzung von Wettervorhersagen.» Solche Systeme lernen durch Machine-Learning das thermische Verhalten eines Gebäudes und optimieren kontinuierlich nach.

 

Benutzerfreundlich und alltagstauglich

«Auch wenn die Technik immer komplexer wird – die Bedienung wird immer einfacher.», so Schär. Bei modernen Systemen und Herstellern wie beispielsweise Loxone läuft alles über eine zentrale, intuitiv aufgebaute App. Nutzerinnen und Nutzer können Temperaturen, Licht und Sonnenstoren bequem per Smartphone oder Tablet steuern. In vielen Fällen greift das System jedoch automatisch ein – Nutzerinteraktion ist nur bei Bedarf notwendig.

 

Beitrag zu Klimazielen und erneuerbaren Energien

Smarte Gebäudesteuerung ist ein zentraler Baustein auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz und Klimaschutz. Sie senkt den Energieverbrauch direkt und reduziert CO₂-Emissionen. In Kombination mit PV-Anlagen, Wärmepumpen oder Batteriespeichern entsteht ein durchdachtes System, das Energieflüsse optimiert und unnötige Lastspitzen vermeidet. Auch Mietende profitieren – etwa durch automatisierte Nachtabsenkung oder bedarfsorientiertes Heizen von selten genutzten Räumen wie Sitzungszimmern.

 

«Bereits heute können Gebäude nicht nur automatisch reagieren, sondern auch intelligent vorausschauend handeln – etwa basierend auf Wetterprognosen oder Energiepreisen.» Künstliche Intelligenz wird in Zukunft dabei helfen, immer komplexere Zusammenhänge zu analysieren und noch gezielter zu steuern. Das Smart Home wird zur Smart Infrastructure – vernetzt, ressourcenschonend und komfortabel.