Finanzen

Nachhaltigkeit zahlt sich aus: Wie wirtschaftlich sind energetische Sanierungen wirklich?

In der ganzen Schweiz werden fossile Heizsysteme ersetzt, Fassaden nachgedämmt und Fenster erneuert – die energetische Sanierung des Schweizer Gebäudeparks ist in vollem Gange. Doch lohnt sich der Aufwand für Eigentümerinnen und Eigentümer wie Mieterinnen und Mieter auch finanziell? Eine aktuelle Studie von Wüest Partner zeigt: Ja, unter bestimmten Bedingungen. Vor allem langfristig gesehen ist Nachhaltigkeit in vielen Fällen nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.
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Der Handlungsbedarf ist klar

In der Schweiz werden nach wie vor rund 60 Prozent der Wohngebäude mit fossilen Energien beheizt – das betrifft etwa 931’000 Liegenschaften, die aktuell nicht im Einklang mit den Zielen des Klimagesetzes stehen. Der Betrieb des Schweizer Wohngebäudeparks verursacht so über 15 Prozent der Gesamtemissionen der Schweiz. Um bis 2050 klimaneutral zu werden, ist daher ein massiver Schub an energetischen Sanierungen dringend notwendig.

 

Zwei Wege zur Klimaneutralität – mit unterschiedlichen Kosten und Nutzen

Die Studie von Wüest Partner hat zwei Szenarien modelliert:

  • Szenario 1: Umfassende energetische Sanierung: Fossile Heizungen werden durch nachhaltige Alternativen ersetzt und die Gebäudehülle wird energetisch optimiert.
  • Szenario 2: Reiner Heizungsersatz: Fossile Heizungen werden durch nachhaltige Alternativen ersetzt – ohne weitere bauliche Massnahmen.

 

Beide Szenarien erfüllen die Anforderungen des Klimagesetzes. Das umfassende Sanierungsszenario bringt jedoch zusätzlich deutliche Einsparungen bezüglich der Betriebsenergie mit sich.

 

Milliardeninvestitionen mit echtem Mehrwert

Bis 2050 müssen – je nach Szenario – zwischen 52 und 228 Milliarden Franken in die Ertüchtigung des noch nicht nachhaltig beheizten Wohngebäudeparks investiert werden. Diese Summe mag hoch erscheinen, doch sie enthält auch die ohnehin anstehenden Instandsetzungen der energetischen Bauteile. Wichtig: Die Investitionen bringen unterschiedliche, messbare Vorteile:

  • Marktwertsteigerung:
    Bei umfassender energetischer Sanierung resultiert eine Marktwertsteigerung von insgesamt 168 Milliarden CHF, bei einem reinen Heizungsersatz sind es 81 Milliarden CHF.
  • Wirtschaftlichkeit für Eigentümerinnen und Eigentümer:
    Reine Heizungsersatzmassnahmen sind oft deutlich rentabler. Auch bei umfassenden Sanierungen ist die Bilanz nach Fördergeldern und Steuererleichterungen im Falle einer Weiternutzung jedoch in bei der Mehrheit der Gebäude kostendeckend.
  • Heizkostenersparnisse:
    Für Mieterinnen und Mieter rechnet sich die Investition in beiden Szenarien. Sie profitieren insgesamt nach der Sanierung von niedrigeren Heizkosten.

 

Mietwohnungen: Nachhaltigkeit und soziale Verträglichkeit

Ein häufiges Argument gegen Sanierungen sind steigende Mieten. Doch die Studie zeigt: Die Heizkostenersparnisse übersteigen in den meisten Fällen den Anstieg der Mieten aufgrund der energetischen Massnahmen. Konkret: Den geschätzten jährlichen Mehrkosten von umfassenden energetischen Sanierungen von 1,7 Milliarden CHF auf Mieten, stehen Heizkostenersparnisse von 2,6 Milliarden CHF gegenüber. Unterm Strich profitieren auch Mieterinnen und Mieter – sowohl ökologisch als auch finanziell.

 

Fazit: Investieren lohnt sich – für Klima, Eigentümer- und Mieterschaft

Die energetische Sanierung des Schweizer Wohngebäudebestands ist eine Generationenaufgabe. Doch sie ist machbar – und sie lohnt sich in der Mehrheit der Fälle auch finanziell. Besonders dann, wenn sie strategisch geplant, gut gefördert und sozial ausgewogen umgesetzt wird. Wer heute in Nachhaltigkeit investiert, schafft nicht nur ein besseres Klima, sondern auch einen echten Mehrwert – für sich selbst, für kommende Generationen und für die Gesellschaft.